Freudenschreie schallen über die Piazza San Giovanni in Rom. Italienflaggen wehen, Banderolen mit dem Schriftzug „Dio, Patria, Famiglia“ (Gott, Vaterland, Familie) werden aus der Menschenmenge in die Höhe gehalten. Es ist ein milder Herbstabend im Oktober 2019. Auf einem Platz, der viele Jahrzehnte als politisches Herz der italienischen Linken galt, beginnt sich die Bedeutung des Ortes zu verschieben. Die Bühne steht dort, wo sonst Gewerkschaften ihre Lautsprecher aufbauen, wo die Linke ihre größten Demonstrationen gegen Silvio Berlusconi organisierte, wo Antifaschismus längst Teil der öffentlichen Selbstverständigung geworden ist. Doch an diesem Nachmittag steht Giorgia Meloni auf der Bühne.
»Zuallererst Italienerin«
Giorgia Meloni ist Italiens erste Ministerpräsidentin mit postfaschistischen Wurzeln. Gut drei Jahre nach ihrer Wahl zählt sie zu den prägenden Figuren der europäischen Politik – wie konnte es dazu kommen?




