Highway in die Klimahölle

Brasilien Mit riesigen Infrastrukturprojekten kurbelt Präsident Bolsonaro die Wirtschaft an. Ohne Rücksicht auf den Regenwald und indigene Stämme.

Illegale Rodungen: Mehr als 75.000 Brandherde verwüsteten 2019 weite Teile des Regenwalds in Brasilien. Das Schutzgebiet Krahô-Kanela im Westen des Landes wurde zu 95 Prozent zerstört. Foto: Joao Laet/AFP/Getty Images
Illegale Rodungen: Mehr als 75.000 Brandherde verwüsteten 2019 weite Teile des Regenwalds in Brasilien. Das Schutzgebiet Krahô-Kanela im Westen des Landes wurde zu 95 Prozent zerstört. Foto: Joao Laet/AFP/Getty Images

Ein Sprengel von knapp zwei Dutzend heruntergekommenen Häusern und Hütten an einer maroden Straße, die ins Nirgendwo führt. Realidade im brasilianischen Bundesstaat Amazonas sieht nicht so aus, als spielte der Ort für das Weltklima eine wichtige Rolle. Das täuscht: Präsident Jair Bolsonaro will die in den 1970er Jahren gebaute Piste, die durch den Ort führt, sanieren lassen. Damit gibt er das Startsignal für Unternehmen, die die Verbindung zwischen Manaus und Porto Velho im Bundesstaat Rondônia nutzen wollen, um tiefer als bisher in den Dschungel vorzudringen – auf der Suche nach Bodenschätzen und Agrarflächen.

Ein fatales Signal: „Rund 17 Prozent des Amazonasregenwalds sind bereits zerstört“, sagt Carlos Nobre, Klimaforscher an der Universität São Paulo. „Wenn die BR-319 wieder befahrbar wird und die Abholzungen weitergehen, steuern wir immer schneller auf einen kritischen Punkt zu.“ Denn sobald 20 bis 25 Prozent des brasilianischen Regenwalds durch Rodungen zur Savannenlandschaft werden, warnt Nobre, seien die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 nicht mehr erreichbar. Die BR-319 würde ein weiterer Highway in die Klimahölle.

Die Sendung auf Arte

Die Gesellschaftsdoku „S.O.S. Amazonas: Apokalypse im Regenwald“ gibt es am Dienstag, 12.11.2019 um 20:15 Uhr bei ARTE und bis 11.12.2019 in der Mediathek.