»Ibuprofen für die Seele«

Symphonien Jeder Dirigent interpretiert Beethovens Kompositionen anders. Andris Nelsons über seinen Weg zum „Kern der Musik“.

Andris Nelsons ist Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters sowie Chefdirigent und Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra. Foto: Hiroyuki Itoü/Getty Images
Andris Nelsons ist Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters sowie Chefdirigent und Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra. Foto: Hiroyuki Itoü/Getty Images

Der Lette Andris Nelsons zählt zu den begabtesten Dirigenten der jüngeren Generation. Er feiert dieser Tage seinen 41. Geburtstag, ist Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra und Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses – leitet also zwei der renommiertesten Häuser der Welt. Zum Interview empfängt er im Chefzimmer des Gewandhauses, einem edlen Eckbüro, in dem einst Kurt Masur residierte. Drei Trompeten liegen in der Sitzecke, auf dem Fensterbrett steht ein seltener japanischer Whisky, eine Vitrine ist vollgestopft mit Hunderten seiner CDs. Nelsons trägt ein Poloshirt in dezentem Veilchenton und Designer-Sneakers. Wenn er spricht, schaut er verträumt nach oben, denkt nach, lächelt dann wieder. Nie wirkt er wie ein unnahbarer Virtuose – eher wie das sympathische Genie von nebenan. Mit den Wiener Philharmonikern hat Nelsons die neun Symphonien Beethovens eingespielt, eine CD-Box ist erschienen, eine Tournee führt von Februar an über Paris, Hamburg, München und Wien. Nelsons lässt Beethoven klar und durchsichtig spielen, im Tempo nie hastig, beim Zuhören bekommt man ein Gefühl für den inneren Zusammenhalt der einzelnen Sätze.