Die Mär vom edlen Gangster

Lange galten Mafiabosse nur als brutale Verbrecher, dann wurde ihr Leben verklärt. Heute agiert die Mafia meist im Schatten als modernes globales Unternehmen.

Gangster: Luciano Liggio, führendes Mitglied der sizilianischen Mafia, umgeben von Carabinieri, 1976
Morde, Entführungen, Überfälle: Mailand war von 1970 bis Mitte der 1980er Jahre eine der gefährlichsten Städte der Welt. Die Dokureihe stellt die berüchtigtsten Bandenchefs aus dieser Zeit vor. Hier: Luciano Liggio, führendes Mitglied der sizilianischen Mafia, umgeben von Carabinieri, 1976. Foto: Eduardo Fornaciari / Hulton Archive / Getty Images

Es ist wohl einer der berühmtesten Sätze der Film­geschichte: „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann“ – gesprochen von Mafiaboss Don ­Vito ­Corleone (­Marlon ­Brando) in ­Francis Ford ­Coppolas Romanverfilmung von „Der Pate“ (1972). Das Zitat steht sinnbildlich für die Macht und Skrupellosigkeit der italienischen Mafia: Ein vermeintlich faires Geschäft wird durch massive, oft tödliche Drohungen untermalt, die dem Gegenüber keine Wahl lassen. Kaum ein Werk hat die Vorstellung vom organisierten Verbrechen so geprägt wie das „Pate“-­Epos des italienischen Autors ­Mario Puzo samt seiner Verfilmungen – es machte die Mafia zum Mythos. Sah man italie­nische Banden lange völlig zu Recht nur als ­gefähr­liche, gewaltbereite Verbrecherclans, nahm die Öffentlichkeit die Machenschaften der Mafia ab den 1970ern mehr und mehr romantisch verklärt wahr – als eine Art Untergrund-Subkultur.

Mailands kriminelle Vergangenheit

5-tlg. Dokureihe

bis 20.7.27 auf arte.tv