Die Geschichte der Judenfeindlichkeit ist zwei Jahrtausende alt. Was mit der Ächtung einer Religion durch christliche Kirchenväter begann, zieht sich seither durch alle Epochen der abendländischen Kultur, bis zum israelbezogenen Antisemitismus unserer Tage – tief verankert im kollektiven Bewusstsein. Der unerschütterliche Glaube an das Böse im Judentum sei einzigartig, sagt die Berliner Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel im Interview mit dem ARTE Magazin.
ARTE Magazin Frau Schwarz-Friesel, worin wurzelt die über viele Epochen hinweg fortgesetzte Feindschaft gegen Juden?
Monika Schwarz-Friesel Es gibt zwei Erklärungen, die letztlich zusammenlaufen. Die christliche Verdammnis des Judentums sollte Konkurrenz ausschalten und den wahren Glauben manifestieren. Das war ein religiöses und ein weltliches Phänomen, schaut man sich die Machtstrukturen der Kirche bis weit ins 19. Jahrhundert in Politik und Gesellschaft an. Und: Menschen tendieren dazu, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Im Antijudaismus standen alle, die nicht jüdisch waren, auf der richtigen Seite. Juden dienten über Jahrhunderte als Sündenböcke, egal, ob die Ernte verhagelt war, Kinder verschwanden oder ein Krieg verloren wurde.




