Es ist das Jahr 1920, als Egon Erwin Kisch, der später als „rasender Reporter“ bekannte Journalist, das Nachtleben Prags skizziert: „[…] so gehen diese verschämten Originale bei Tag möglichst wenig unter Menschen und wagen sich sozusagen nur bei Nacht an das Licht des Tages.“ Seine Beobachtungen fangen das Lebensgefühl vieler seiner Zeitgenossen ein: von Menschen, die Charleston tanzen und sich in Jazz-Cafés und Varietétheater vergnügen. Im Prag der 1920er Jahre ließ sich ausgelassen feiern. Die zweiteilige Dokumentation „Babylon Prag“, die ARTE im Oktober zeigt, zeichnet das pulsierende Leben der Stadt in den Zwischenkriegsjahren nach. Doch hinter der schillernden Fassade gab es auch Spannungen – vor allem zwischen Tschechen und Deutschen, die zu dieser Zeit nur noch eine kleine, überwiegend im Stadtzentrum konzentrierte Minderheit bildeten, wie Tobias Weger, der zur Geschichte der Tschechoslowakei forscht, im Gespräch mit dem ARTE Magazin feststellt.
Ein Prag, zwei Welten
Im Prag der 1920er Jahre lebten Tschechen und Deutsche weniger miteinander als nebeneinander. Wer trieb die Spaltung voran? Wer setzte auf Verständigung?




