Die lieben Verwandten

Primaten Bonobos lösen Konflikte durch Sex, Schimpansen mit Gewalt. Wir Menschen stehen irgendwo dazwischen. Kein Wunder, bei dem gemeinsamen Erbe.

Ungleiche Vettern: Bonobos unterscheiden sich äußerlich kaum von Schimpansen. Die Gesichter der Bonobos sind dunkler mit rötlichen Lippen, und sie wirken zierlicher als ihre engen Primaten-Verwandten. Foto: Sergey Uryadnikov/Alamy Stock Photo
Ungleiche Vettern: Bonobos unterscheiden sich äußerlich kaum von Schimpansen. Die Gesichter der Bonobos sind dunkler mit rötlichen Lippen, und sie wirken zierlicher als ihre engen Primaten-Verwandten. Foto: Sergey Uryadnikov/Alamy Stock Photo

Ein mächtiger Strom trennt Bonobos und Schimpansen: der Kongo. Vor etwa zwei Millionen Jahren teilte der Fluss ihre Heimat im westlichen Zentralafrika, unüberwindlich für beide Arten. Seither gehen die untereinander und mit uns am engsten verwandten Menschenaffen eigene Wege – genetisch und im Verhalten. Außergewöhnlich ist vor allem der Umgang der Bonobos mit Konflikten: Streit legen sie mit Sexualakten bei.

Auch sonst haben sie häufig Sex, der nicht der Arterhaltung dient. Das hat ihnen die Bezeichnungen „Hippie-“ oder „Kamasutra-Primaten“ eingebracht. Bonobo-Weibchen signalisieren mit leuchtendem Geschlechtsteil Fruchtbarkeit. Dabei haben Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts (MPI) für evolutionäre Anthropologie durch Urintests festgestellt: Mit ihrem Hormonhaushalt korrespondiert das nicht immer. Sex ohne den Zweck der Fortpflanzung, gern auch einander von Angesicht zu Angesicht zugewandt: Das kennt man sonst fast nur vom Menschen. Als eigene Art gelten die Bonobos erst seit 1929. Dass sie auch Zwergschimpansen genannt werden, ist ungerecht, sind sie doch aufrecht stehend mit etwa 1,15 Metern nur wenige Zentimeter kleiner als Schimpansen. Zwischen 15.000 und 20.000 Bonobos leben im Urwald südlich des Kongo-Flusses, dem einzigen natürlichen Verbreitungsgebiet der Art. Ihr Habitat liefert reichlich Nahrung, was zum friedfertigen Wesen beiträgt.

Die Sendung auf Arte

Die Tierdoku „Das verborgene Leben der Bonobos“ gibt es am Donnerstag, 21.11.2019 um 18:30 Uhr bei ARTE.