»Geerbte Schuld«

Vertreibung und Kollektivschuld: Kateřina Tučková erzählt in ihrem Roman „Gerta. Das deutsche Mädchen“ ein wenig beachtetes Kapitel der deutsch-tschechischen Geschichte. Ein Gespräch.

Filmszene aus
Im Historiendrama "Gerta und die Welt am Abgrund", einer Verfilmung von Kateřina Tučkovás Bestsellers "Gerta. Das deutsche Mädchen“ wächst die junge Gerta (Barbora Váchová) als Tochter einer Tschechin und eines Deutschen zwischen zwei Identitäten auf. Als der Krieg endet, wird sie schuldlos zur Zielscheibe von Hass und Vergeltung. Foto: Česká televize/Zuzana Panska

Kateřina Tučková meldet sich auf dem Rückweg von einer Reise zum Interview. Dass ihr Bestseller „­Gerta. Das deutsche Mädchen“ von 2009 rund 16 Jahre nach seinem Erscheinen verfilmt wurde und nun im Oktober auf ARTE ausgestrahlt wird, bewegt die Schriftstellerin spürbar. Für den Roman hat ­Tučková mehrere Jahre recherchiert und mit Zeitzeugen gesprochen. Im Mittelpunkt steht die fiktive Figur ­Gerta Schnirch, die in Brünn als Tochter einer Tschechin und eines deutschen Nationalsozialisten aufwächst. Nach dem Münchner Abkommen von 1938 und der Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ 1939 erlebt sie die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in der eigenen Familie. Nach Kriegsende werden die meisten Deutschen auf Grundlage der Beneš-­Dekrete enteignet und ausgebürgert; in den Jahren 1945 und 1946 müssen rund drei Millionen Menschen die Tschechoslowakei verlassen. Beim Brünner Todesmarsch Ende Mai 1945 werden circa 20.000 Menschen in Richtung Österreich getrieben. Mit ihrem Roman will ­Tučková den Betroffenen ein Gesicht geben.

Gerta und die Welt am Abgrund

2-tlg. Historiendrama

Freitag, 9.10.

— 20.15 Uhr

bis 6.1.27 auf arte.tv