Zeugen der Zeit

Vom Erziehungswerkzeug zur Spielgefährtin: Puppen gelten als Projektionsflächen für die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen und füllen noch immer Kinderzimmer.

Käthe Kruse und ihre Puppen
Käthe Kruse traf mit einem neu gedachten Spielzeug den Nerv ihrer Zeit: eine Puppe zum Liebhaben. Die siebenfache Mutter war der Kinderwelt eng verbunden. Als Unternehmerin überstand sie auch krisenreiche Jahrzehnte mit viel Pragmatismus. Foto: Archiv Torsten Rehbinder / BR

Zart gemalte blaue Augen, feine Brauen, rosige Wangen und ein kleiner Mund zieren das Gesicht. Der Körper besteht vollständig aus Stoff, weich gestopft und beweglich. Die Kleidung darüber ist aus Naturtextilien und wirkt mit Haube, Schürzenkleid, gestrickten Strümpfen sowie geflochtenen Schuhen sowohl funktional als auch kindgerecht. Diese Puppe, das sieht und spürt man, ist zum Halten, Tragen und Umsorgen gedacht, dabei gleicht sie dem Abbild eines echten Kindes. Als die Schauspielerin ­Käthe ­Kruse (1883–1968) die Puppe, die mit der schlichten Bezeichnung „Nr. 1“ in die Geschichte eingehen sollte, im Jahr 1905 in Eigenregie herstellte, sorgte sie unbewusst für einen Umbruch, wie die ARTE-Dokumentation „Die Puppen­macherin ­Käthe ­Kruse“ zeigt. Kruses Werk brach radikal mit der damaligen Vorstellung der Puppe als dekorative Miniatur-­Erwachsene und verkörperte ein neues, empathisches Verständnis von Kindheit, Nähe und emotionaler Beziehung.

Die Puppenmacherin Käthe Kruse

Porträt

Donnerstag, 12.3.
— 20.15 Uhr
bis 9.6. auf arte.tv