Freude an der Öde

Langeweile ist spannend. Der komplexe Gefühlszustand beschäftigt Forschung, Philosophie, Popmusik und Kunst. Kein Wunder, gilt die Leere in uns doch auch als Motor der Kreativität.

Illustration von Langeweile
In einer temporeichen Welt mit ständigen digitalen Ablenkungen hat Langeweile kaum noch Platz. Dabei kann sie auch positive Effekte haben – so kann der Leerlauf zum Beispiel Kreativität freisetzen. Illustration: Sarah Matuszewski für ARTE Magazin

 

Ist das langweilig! Was dahinter steckt 

Achtung, Triggerwarnung: Hier droht Langeweile! Sie gehört, wie etwa Scham und Neid, zum komplexeren Teil unserer Empfindungen. Langeweile ist ein Beziehungskiller, kann Zeit unerträglich dehnen und zu – mitunter gefährlichem – Unsinn verleiten. Umgekehrt löst sie zugleich positive Impulse aus und setzt Kreativität frei. Der Langeweile wissenschaftlich auf den Grund zu gehen, ist ein vergleichsweise junges Forschungsfeld. Zu den Pionieren zählt der Psychologe John Eastwood von der York University in Toronto. Seine Definition gilt bis heute als weithin anerkannt: „Langeweile ist das unangenehme Gefühl, eine zufriedenstellende Aktivität ausführen zu wollen, aber nicht zu können.“ Langweilige Situationen wie erzwungenes Warten oder monotone Tätigkeiten versetzten Menschen in „eine Art Stressreaktion“, sagt der Neuropsychologe James Danckert von der gleichfalls kanadischen University of Waterloo, langjähriger Mitstreiter Eastwoods und einer der Experten in der ARTE-Dokumentation „Langeweile – Das unerforschte Gefühl“. Danckert misst neuronale Aktivitäten von Studienteilnehmern, während sie sich unsagbar öde Videos anschauen müssen. Die beteiligten Hirnareale signalisieren innere Unruhe und senden damit ein klares Zeichen: Der Mensch will aus der Langeweile ausbrechen.

Langeweile – Das unerforschte Gefühl

Wissenschaftsdoku

Samstag, 22.8.
— 23.15 Uhr
bis 19.11. auf arte.tv