Fünf Minuten vorm vereinbarten Termin erscheint Leonie Benesch am Treffpunkt, einem Café in Berlin-Kreuzberg. Durch den lebhaften Betrieb lässt sie sich kein bisschen vom Gespräch ablenken. Typisch für die 34-jährige Schauspielerin, die auch in ihrem Beruf fokussierte Professionalität schätzt: Dazu zählen genau recherchierte und geschriebene Drehbücher ebenso wie diszipliniertes Arbeiten am Set. „Dann kann man schon mal eine halbe Stunde früher als geplant fertig sein“, sagt die gebürtige Hamburgerin, die mittlerweile in Berlin zu Hause ist. Seit sie mit 17 Jahren, noch vor dem Abitur, das Kindermädchen Eva in Michael Hanekes Historiendrama „Das weiße Band“ (2009) verkörperte und dafür unter anderem den Nachwuchspreis „Young Artist Award“ erhielt, beeindruckt ihr präzises Spiel Publikum und Kritik gleichermaßen. Das gilt auch für die mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Hauptrolle im Drama „Das Lehrerzimmer“ (2023) von Regisseur İlker Çatak, das ARTE im Februar im Rahmen des Schwerpunkts zur Berlinale zeigt. Als junge, engagierte Lehrerin Carla Nowak will sie Diebstähle an ihrer Schule aufklären, steht aber in einem Klima aus Misstrauen, Vorurteilen und Doppelmoral am Ende allein gegen alle. Warum sie auf Filme wie diesen stolz ist, als Kostüm am liebsten Alltagskleidung trägt und was sie von der Berlinale erwartet, hat Leonie Benesch dem ARTE Magazin erzählt.
ARTE Magazin Frau Benesch, Carla Nowak ist Idealistin, will alles richtig machen, aber am Ende laufen die Dinge komplett falsch. Ist Ihnen die Figur trotzdem sympathisch?
Leonie Benesch Ja, sie ist schon eine Lehrerin, die man sich für seine Kinder wünscht – oder die man selbst gern gehabt hätte. Ich finde es auch gut, wenn Menschen die Initiative ergreifen, um Verhältnisse zu verbessern. Die Kettenreaktion, die im Film ausgelöst wird, zeigt aber: Egal, wie gut die Absichten sind, Menschen sind Menschen, und Scheiße passiert.




