»Das geht uns alle an«

Die Forschung zu queeren Bewegungen ist kein Randthema mehr. Durch sie eröffnen sich zudem neue Perspektiven auf die deutsche Geschichte. Ein Gespräch.

Collage Queer schwarz-weiß 20er-Jahre
Foto: Ausschnitt aus der Collage von Rudolf Kuselowsky/Stiftung Stadtmuseum Berlin/Reproduktion Michael Setzpfandt

Queer. Ein Begriff, der in den USA als Schimpfwort gegenüber Homosexuellen verwendet wurde – bis ihn mutige Menschen als positive Selbstbezeichnung umdeuteten. Parallel dazu erreichten politische Aktivistinnen und Aktivisten die Entkriminalisierung von Homosexualität und erkämpften Rechte wie die Ehe für alle. Welche Erkenntnisse lassen sich aus diesen Entwicklungen ziehen – auch für das gegenwärtige gesellschaftliche Zusammenleben? Um diese Fragen zu beantworten, erforscht der Historiker ­Benno ­Gammerl queere Bewegungen ausgehend vom Deutschen Kaiserreich bis heute.

ARTE Magazin Herr Gammerl, warum war es aus Ihrer Sicht so wichtig, ein Überblickswerk zur queeren Geschichte zu schreiben?

Benno Gammerl Als leidenschaftlichen Historiker hat es mich gestört, dass die Geschichte queerer Bewegungen wie abgekoppelt von der Gesamtgesellschaft wahrgenommen wird. Stattdessen kann sie aber als Seismograf für politische Entwicklungen dienen – denken Sie nur daran, wie schnell Homosexualität in autoritärer werdenden Regimen unter Strafe gestellt wird. Zudem wird sie in Deutschland oftmals als Auf und Ab oder als Erfolgsstory erzählt. Meine Forschung zeigt aber, dass die Lebenswelt queerer Menschen durch ein Nebeneinander widersprüchlicher Entwicklungen geprägt ist: Stigmatisierung, Emanzipation, Normalisierung.

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Verbotenes Begehren – Meilensteine queerer Geschichte

Geschichtsdoku

Donnerstag, 18.7.
— ab 20.15 Uhr
bis 15.10. in der
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