Es ist der Traum aller Politiker: wenn ein Auftritt unmittelbar viral geht und zu Popkultur wird. Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos ist Emmanuel Macron solch ein seltener Erfolg geglückt. Wegen eines Augenleidens stand der französische Präsident mit einer auffälligen blau getönten Pilotensonnenbrille am Rednerpult und antwortete Journalisten mit stark französischem Akzent auf Englisch. Besonders ein Ausdruck, den Macron mehrfach betonte, blieb hängen: „For sure!“ Die Internetgemeinde bejubelte die Ansprache und teilte millionenfach humorvoll bearbeitete Videos davon. So gibt es Macrons „For sure!“-Sätze nun unter anderem als Singalong für Techno- und Electroswing-Stücke. In Berlin dürfte man den viralen Erfolg des Präsidenten mit etwas Neid verfolgt haben: Zwar kursieren im Internet aus der kurzen Amtszeit von Friedrich Merz (CDU) bereits viele Memes zum Bundeskanzler – doch überwiegend wird Merz darin verspottet. So cool wie Macron in Davos kommt er nie weg. Dass die Staatschefs, die sich gern selbstbewusst als Alphamänner inszenieren, persönlich und bei öffentlichen Auftritten dennoch gut miteinander können, zeigt die ARTE-Dokumentation „Macron – Merz: Hinter den Kulissen der Macht“ im April. Nun sind Macrons Tage im Palais de l’Élysée gezählt, aber erleben wir bis zur Präsidentenwahl im April 2027 womöglich ein neues Traumpaar der Sorte Adenauer – de Gaulle oder Mitterand – Kohl?
Zwei Alphas unter sich
Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist geprägt vom Verhältnis der Staatschefs. Stimmt die Chemie zwischen Macron und Merz?

Trotz Sympathie und Gemeinsamkeiten treffen sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Emmanuel Macron gerade an sehr unterschiedlichen Punkten ihrer politischen Karrieren, da der französische Präsident nur noch ein Jahr im Amt sein kann. Foto: picture alliance/dpa/Kay Nietfeld



