Zwei Augen mit zwei unterschiedlich großen Pupillen schauen einen unentwegt an. David Bowies (1947–2016) Augen – man denkt erst, sie hätten unterschiedliche Farben, tatsächlich waren seine Pupillen unterschiedlich groß, eine verengt und eine geweitet, als blicke ein Auge ins Licht und eins ins Dunkel, eines in unsere und das andere in eine andere Welt. Oder, wie im Video zu „Life on Mars?“, beide unbeirrt auf den Zuschauer – auf sein vom Bildschirm beleuchtetes Gesicht und das, was darunter liegt.
Phantasmen, natürlich. Am Ende war David Jones sterblich wie wir alle. Der Mann, der sich David Bowie nannte, ist seit fast zehn Jahren tot – doch wir sprechen weiter, erzählen die gleichen Geschichten. Manchmal denkt man: Ist nicht schon alles gesagt, alles geschrieben worden? Vom Starman zu Ziggy zu Lazarus, jeder Moment dokumentiert, ausgewrungen – oder, wie er selbst sang: „For she’s lived it ten times or more“ – und doch hält die Trauer an, die Trauer und die Faszination. Vor seiner ehemaligen Wohnung im Westberliner Stadtteil Schöneberg, der Hauptstraße 155, liegen immer noch jedes Jahr Blumen. Wer weiß dieser Tage schon noch, was Wahrheit ist? Gleich tritt er heraus, mit seinem Kumpel Iggy Pop im Schlepptau, denkt man, um „die Schwulenbars, Bierlokale und Diskotheken Berlins“ zu frequentieren und „das lokale Pilsner-Bier in heldenhaften Mengen“ zu trinken. „Hey babe, let’s stay out tonight.“ Gäste, die schon lange weitergezogen, aber immer noch gegenwärtig sind. Man will sie nicht gehen lassen. Warum? Ist es Nostalgie nach einer Zeit, die man nie erlebt hat? Oder eine Form von vorweggenommener Trauer um eine Zukunft, die nie eingetroffen ist?




