Große Dramen in drei Minuten

Chanson Der Liedermacher Klaus Hoffmann gilt als genialer Jacques-Brel-Interpret. Seine Hommage an den Ausnahmesänger.

acqes Brel, geboren 1929 in Belgien, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des französischen Chansons. 2019 wäre der berühmte Musiker 90 Jahre alt geworden. Foto: Roger Viollet/Getty Images
acqes Brel, geboren 1929 in Belgien, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des französischen Chansons. 2019 wäre der berühmte Musiker 90 Jahre alt geworden. Foto: Roger Viollet/Getty Images

Ne me quitte pas“ / „Geh nicht fort von mir“ – eine Liedzeile, so simpel wie bedeutend für Jacques Brels Werk und den Menschen dahinter. Hierhin irrlichtert mein Geist jedes Mal, wenn ich mich mit diesem genialen Künstler auseinandersetze. Es ist eine Zeile, die wie keine zweite Brels Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit zu erklären vermag. Und die muss man verstehen, wenn man eine Hymne auf ihn verfasst. Oder liest.
Brel hat es immer abgelehnt, das Lied von dem Mann zu singen, der von einer Frau für immer und ewig verlassen wird. Sich kleinmachen, das war für ihn unerträglich. Gleichwohl ist „Ne me quitte pas“, sein wohl größter Hit, ein flehentliches Klagelied auf das Verlassenwerden. Jacques Brel wollte den Frauen nie hinterherlaufen, konnte aber offensichtlich auch keiner Verlockung widerstehen. Mehrfach führte er eine Art Doppelleben mit Parallelbeziehungen. Dabei prägte sein bewegtes Privatleben immer auch seinen musikalischen Charakter. Auf der einen Seite gab er sich in seinen Texten als ein chauvinistisch anmutender Typ, der Frauen mitunter sogar beleidigte. Auf der anderen Seite als das Muttersöhnchen par excellence – als empfindsamer Mann, der Frauen das Gefühl zu geben vermag, dass er sich für sie in der Luft zerreißt.

Die Sendung auf Arte

Das Konzert „Jacques Brel à Knokke-Le-Zoute – 1963“ gibt es am Sonntag, 10.11.2019 um 17:45 Uhr bei ARTE und bis 7.2.2020 in der Mediathek.