Warum wir so sind

Lieblose Mütter, traurige Besäufnisse: Wenig ist leicht in Matthias Glasners „Sterben“. In dem vielfach prämierten Drama bearbeitet der Regisseur seine Familiengeschichte.

Filmzene aus
Im Drama "Sterben" spielt Lars Eidinger (Foto) den Dirigenten Tom, der mit sich und seiner Familie hadert. Er spielt ein Musikstück mit dem Titel "Sterben", das sein bester Freund geschrieben hat. Foto: Port au Prince/Senator Film/Schwarzweiss Film/Wild Bunch/Peter Hartwig

Nüchterner kann eine Begrüßung kaum sein. Gerade hat Lissy ihren Ehemann im Ruheforst begraben. Die Tochter ist zur Beerdigung gar nicht erst aufgetaucht, Sohn Tom kommt zu spät, weil dem Elektroauto der Saft ausgegangen ist. Nun ist er endlich da. Nehmen sich Mutter und Sohn in die Arme, weinen sie womöglich zusammen? Nein, sie schütteln einander die Hand, dann gibt es Kaffee. Die Atmosphäre am Tisch erinnert an ein Vakuum. „Du hast mich nie gemocht. Ich habe das akzeptiert, weil ich dich ja auch nicht mochte“, sagt ­Lissy, gespielt von ­Corinna ­Harfouch. „Ich bin genauso kalt wie du“, kontert Tom, gespielt von Lars ­Eidinger. Er findet es zumindest gut, dass man überhaupt mal spricht. Am Ende haut er trotzdem mit der Faust in den Streuselkuchen.

Sterben

Drama

Montag, 5.10.

— 22.15 Uhr

bis 30.11. auf arte.tv