Nüchterner kann eine Begrüßung kaum sein. Gerade hat Lissy ihren Ehemann im Ruheforst begraben. Die Tochter ist zur Beerdigung gar nicht erst aufgetaucht, Sohn Tom kommt zu spät, weil dem Elektroauto der Saft ausgegangen ist. Nun ist er endlich da. Nehmen sich Mutter und Sohn in die Arme, weinen sie womöglich zusammen? Nein, sie schütteln einander die Hand, dann gibt es Kaffee. Die Atmosphäre am Tisch erinnert an ein Vakuum. „Du hast mich nie gemocht. Ich habe das akzeptiert, weil ich dich ja auch nicht mochte“, sagt Lissy, gespielt von Corinna Harfouch. „Ich bin genauso kalt wie du“, kontert Tom, gespielt von Lars Eidinger. Er findet es zumindest gut, dass man überhaupt mal spricht. Am Ende haut er trotzdem mit der Faust in den Streuselkuchen.
Warum wir so sind
Lieblose Mütter, traurige Besäufnisse: Wenig ist leicht in Matthias Glasners „Sterben“. In dem vielfach prämierten Drama bearbeitet der Regisseur seine Familiengeschichte.




