Erst kürzlich geriet der Publizist Michel Friedman mit den Machern der Bayreuther Festspiele aneinander, was für einen medialen Aufschrei sorgte: Auf dem „Grünen Hügel“ würde man der Nazi-Vergangenheit aus dem Weg gehen und den Antisemitismus Richard Wagners am liebsten verdrängen, während man in den Pausen fränkische Festspielwürstchen verdrücke, ärgerte sich Friedman. Katharina Wagner fehle „die Ernsthaftigkeit, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen“, so Friedman weiter, der Boden in Bayreuth sei „kontaminiert“ und überhaupt: Seit Gründung der Bundesrepublik sei hier einfach gar nichts aufgearbeitet worden. Die außerordentliche Emotionalität dieser Worte zeugt zum einen von einer tiefen Gekränktheit: Friedman war von den Festspielen zum 150. Jubiläum eingeladen worden, um einen Vortrag im Rahmen einer Gedenkveranstaltung für in der NS-Zeit verfolgte jüdische Musikerinnen und Musiker zu halten, doch im Festspielchaos hatte man die Veranstaltung aufgegeben. Dumm gelaufen, sagen die einen. Ein fatales Signal, sagen die anderen. Doch die mediale Debatte, die darauf folgte, zeigte etwas anderes: Kaum ein anderer Künstler ist so umstritten wie Richard Wagner (1813–1883) – bis heute. An ihm debattieren wir immer wieder, was wir gemeinhin wohl „die deutsche Seele“ nennen.

Vier Opern, 15 Stunden Musik: Seit 1876 fasziniert der „Ring“ – und bleibt umstritten. Die Doku erzählt von Wagners Vision, ihrer Vereinnahmung durch die Nazis, Spuren in Hollywood und der Bayreuther KI-Inszenierung 2026. Porträtaufnahme von Richard Wagner, Entstehungsjahr unbekannt. Foto: picture alliance / opale / photo / Darchivio



