Kunst und Kampf

Ihre radikal persönlichen Fotos machten Nan Goldin berühmt. Wie gelang es ihr, die Pharma-­Familie ­Sackler aus den großen Museen der Welt zu verbannen?

Porträt von Nan Goldin
Die Fotografin Nan Goldin kämpft mit einer Protestgruppe gegen die Pharma-­Familie Sackler, die mit dem Schmerzmittel ­Oxycontin die verheerende Opioidkrise in den USA mitverursachte. Der preisgekrönte Film von Laura ­Poitras begleitet Goldin und ihre Mitstreiter. Foto: picture alliance / TT News Agency / Christine Olsson

Es regnet Papier im Guggenheim. Wie Schneeflocken rieseln weiße Schnipsel von den Emporen des New Yorker Museums, und im ersten Moment könnte man das für Kunst halten. Doch schaut man genauer hin, wird klar: Die Papierstreifen sehen aus wie Rezepte für Oxycontin – jenes Schmerzmittel, das in den Vereinigten Staaten als Mitauslöser der Opioidkrise gilt. Unter die Museumsgänger, die sich die Gemälde der schwedischen Malerin Hilma af Klint ansehen, haben sich Protestierende gemischt. Transparente werden ausgerollt, schon beginnen die Sprechchöre: „Die ­Sacklers lügen, Tausende sterben!“ Nach kurzer Verwirrung stimmen Besucher in die Rufe mit ein.

Organisiert hat die Aktion die Fotografin Nan Goldin. Auch ihre Arbeiten hängen in den großen Museen der Welt, berühmt wurde sie in den frühen 1980er Jahren mit Aufnahmen der New Yorker Subkultur. Nun hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Pharma-­Dynastie ­Sackler zur Rechenschaft zu ziehen. Deren Firma ­Purdue hat das Opiod-­Präparat ­Oxycontin auf den Markt gebracht, die Pillen aggressiv beworben und wider besseres Wissen als harmloses Medikament ausgegeben. Hunderttausende Suchtkranke und Tote sind die Folge. Fast wäre ­Goldin, die nach einer Verletzung abhängig wurde, eine von ihnen gewesen. Entsprechend persönlich ist ihr Einsatz.

All die Schönheit und das Blutvergießen

Dokumentarfilm

Mittwoch, 18.3.
— 22.00 Uhr
bis 15.6. auf arte.tv