Es regnet Papier im Guggenheim. Wie Schneeflocken rieseln weiße Schnipsel von den Emporen des New Yorker Museums, und im ersten Moment könnte man das für Kunst halten. Doch schaut man genauer hin, wird klar: Die Papierstreifen sehen aus wie Rezepte für Oxycontin – jenes Schmerzmittel, das in den Vereinigten Staaten als Mitauslöser der Opioidkrise gilt. Unter die Museumsgänger, die sich die Gemälde der schwedischen Malerin Hilma af Klint ansehen, haben sich Protestierende gemischt. Transparente werden ausgerollt, schon beginnen die Sprechchöre: „Die Sacklers lügen, Tausende sterben!“ Nach kurzer Verwirrung stimmen Besucher in die Rufe mit ein.
Organisiert hat die Aktion die Fotografin Nan Goldin. Auch ihre Arbeiten hängen in den großen Museen der Welt, berühmt wurde sie in den frühen 1980er Jahren mit Aufnahmen der New Yorker Subkultur. Nun hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Pharma-Dynastie Sackler zur Rechenschaft zu ziehen. Deren Firma Purdue hat das Opiod-Präparat Oxycontin auf den Markt gebracht, die Pillen aggressiv beworben und wider besseres Wissen als harmloses Medikament ausgegeben. Hunderttausende Suchtkranke und Tote sind die Folge. Fast wäre Goldin, die nach einer Verletzung abhängig wurde, eine von ihnen gewesen. Entsprechend persönlich ist ihr Einsatz.




